Beitrag – keine sicheren Räume? über Sexualisierte Gewalt in linken Räumen

>> Triggerwarnung: Diskussion über sexualisierte / sexuelle Gewalt in linken Räumen <<
Auch in linken Räumen, welche häufig als Freiräume und Safe Spaces begriffen werden, geschehen sexuelle und sexualisierte Gewalt. Dies verwundert viele, jedoch sind auch Linke mit dem Patriarchat groß geworden und müssen sich auch innerhalb der eigenen Kreise mit Sexismus und sexueller Gewalt auseinandersetzen. Doch was tun, wenn es geschieht?
Wie umgehen mit den Tätern und wie den Betroffenen helfen?
Sexuelle Gewalt ist fest im Geschlechterverhältnis verankert und kann ohne eine grundlegende Kritik am Patriarchat, an Männlichkeitsbildern und an der männlichen Sexualität nicht nachhaltig bekämpft werden.
Aber wie umgehen mit linken Tätern die sich mit Feminismus auseinandersetzen und trotzdem übergriffig werden? Wie ist dieser Widerspruch möglich?
Wie kann eine Bewältigung und Aufarbeitung von Vorfällen aussehen? Von der Definitionsmacht hin zu ommunity accountability und transfortmative justice, zwei Begriffe die in der aktuellen Debatte immer wieder auftauchen. Aber was steckt dahinter und können uns diese Konzepte bei der Bewältigung des Problems helfen?
Über alle diese Fragen wurde am 17.9.20 im ://about blank in Berlin mit e*space (hier) und Kim Posster (hier) diskutiert.


Aktuelles

 

https://and.notraces.net/wp-content/uploads/sites/60/2020/12/faustmikro_lilaschwarz.png#1 Sendereihe zu gewaltvollen Erfahrungen

Das Private ist politisch! Gewalt gegen FLINT geht uns alle an!

Nach über 100 Jahren feministischem Kampf, herrschen in unseren Zusammenhängen immer noch patriarchale und damit gewaltvolle Verhältnisse. Wir alle wachsen damit auf und sind in unserem Denken und Handeln davon beeinflusst. Daher braucht es besonders viel Achtsamkeit und Auseinandersetzung, um diese Strukturen und Verhaltensweisen zu ändern.

Insbesondere FLINT Personen sind in überwiegender Mehrheit von Gewalt* betroffen. Regelmäßig begegenen sie relativierenden Antworten oder Ignoranz, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen oder auf diskriminierendes Verhalten hinweisen. Unsere privaten Beziehungen sind davon nicht ausgenommen, auch nicht in der linken Szene. Die Alltäglichkeit dieser Probleme verschleiert oft, dass es sich dabei um Machtstrukturen und Gewalt handelt.

*hier ist nicht nur sexualisierte Gewalt gemeint, sondern das gesamte Spektrum, einschließlich psychischer/emotionaler Gewalt

Wir brauchen in unseren Communitites Offenheit um über diese Themen zu sprechen und miteinander zu lernen. Ein kritischer Blick darf nicht vor unseren eigenen Beziehungen Halt machen! Als solidarische Gemeinschaft müssen wir hinschauen und Betroffene unterstützen. Es braucht Wissen über Gewaltstrukturen, um diese gemeinsam durchbrechen zu können und Raum, Betroffene zu hören.
Wir wollen uns explizit diesen Themen zuwenden und einen Rahmen schaffen, diese Erfahrungen und Auseinandersetzungen damit hörbar zu machen.
Wir wollen einen offenen Austausch in unseren Gemeinschaften anregen, Hemmschwellen abbauen und uns in einen gemeinsamen Lernprozess begeben.

Solidarität darf nicht schweigen!

Dazu sind auch Betroffene herzlich eingeladen, Ihre Erfahrungen zu veröffentlichen (gerne auch anonym)
Welche Erfahrungen habt ihr mit Gewalt gemacht?
Wo seht ihr Zusammenhänge zu patriarchalen Machtstrukturen?
Wie könnte ein Umgang damit aussehen?
Was braucht es dafür?
Was hindert euch dabei?
…

Du hast Interesse? Dann lass uns ins Gespräch kommen.
Du möchtest lieber anonym bleiben: wir machen deine Stimme unkenntlich oder du schickst uns deinen Text und wir lesen diesen.
Kontakt: ahad[at]systemli.org

Hier gibt es die erste Sendung.


Aktuelles

#2 Sendung zum 8. März – Kollektive Umgänge mit Diskriminierung und sexualisierter Gewalt

Im Rahmen der bundesweiten Radiovernetzung gibt es auch dieses Jahr einen feministischen Sendetag zum 8. März. Es gibt 24h im Stream und auf UKW in euren lokalen freien Radios feministischen Themen aus unterschiedlichen Persepktiven. Wir haben diese Sendung für euch aufgenommen.

Laut Statistiken sind ein Drittel aller Frauen in Deutschland von physischer und oder sexualisierter Gewalt betroffen. Die sogenannte Dunkelzahl ist viel höher. Von sexualisierter Gewalt und Diskriminierung betroffen sind nicht nur weiblich gelesene Menschen, sondern auch Menschen, die nicht in Geschlechternormen passen wie trans- oder queere Menschen. Übergriffe finden nicht nur irgendwo da draußen in der Gesellschaft statt, sondern in unseren nächsten Umfeldern, auch innerhalb linker und anarchistischer Gemeinschaften.

In dieser Sendung tauschen wir uns über gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme aus. Was bedeutete das eigentlich, welche Probleme gibt es zwischen Anspruch und Wirklichkeit und welche Strukturen brauchen wir, um gemeinschaftlich Verantwortung zu übernehmen und Übergriffe auch zu verhindern.
Für dieses Gespräch haben wir uns Vertreter*innen der Gruppe KollUm, dem Malobeo – alternatives Cafe und anarchistische Bibliothek und der Sendereihe Gewalt in unseren Communities – Wege hinaus eingeladen.

Links zu Sendung

– KollUm – Kollektive Umgänge mit sexistischer Gewalt und sexualisiertem Machtmissbrauch
kollum[at]riseup.net
– Malobeo – alternatives Cafe und anarchistische Bibliothek
Artikel zu einer Sexismusdiskussion in Dresden auf den in der Sendung bezug genommen wurde https://malobeo.org/post/2021-01-17/17-0…
– Sendereihe Gewalt in unseren Communities – Wege hinaus
https://and.notraces.net/category/radio/…

 


#3 Kritik an der geforderten Sexismusdebatte in Dresden

Hier findet ihr unsere Kritik an der Berichterstattung Alternative Dresden News: LINK

Wir hielten es für wichtig, Gegenöffentlichkeit zu schaffen, bzw. klar zu stellen, dass die bisher vertretenen Ansichten und die Art wie, nicht die Meinung aller Dresdner Linken darstellen. Wir möchten uns für ein Szene-Klima einsetzen, in dem Menschen keine Scheu haben müssen, Übergriffe anzusprechen. Wir sehen uns als Räumlichkeit in der Verantwortung, feministischen Antisexismus konkret werden zu lassen. Wir wünschen uns, dass sowohl eine als solidarisch gelabelte Berichterstattung, als auch andere Gruppen, Räume und Einzelpersonen Lust haben, sich dafür einzusetzen.

#4 Feminismus feiern und heimlich fürchten

Hier findet ihr unseren Text über die Angst der cis-Männer, cisMännerbünde, Spaltung, Ausschlüsse aus und dem Patriarchat in der linken Szene: LINK

Wir wollen jetzt mal „abstrakt und losgelöst von den expliziten Problemlagen über die Thematik sprechen“. Wir wollen damit verdeutlichen, dass hinter solchen vermeintlichen ‚Einzelfällen‘ oder ‚persönlichen Problemen‘ eine Struktur steht, die sich wiederholt. Wir möchten Freund*innen und Genoss*innen damit ermächtigen, eigene Prozesse in dieser Metaebene wieder zu finden. Damit können wir aus den Handlungsmustern ausbrechen und antisexistische, feministische Veränderungen bewirken.